Kurt Bergmann: Ich habe alles bei Opel nachrechnen lassen
Im Schalensitz Nr. 16
Kurt Bergmann wollte eigentlich selbst Rennen fahren, kam aber nicht dazu. Aus dem Plan des Wieners, einen Rennwagen für sich zu bauen, wurde der wohl erfolgreichste Rennstall der Formel Vau- und Formel Super Vau-Szene der sechziger und siebziger Jahre. Mit seinen Kaimann-Rennern gewann er 13 Meisterschaften, darunter eine Weltmeisterschaft, mehrere EM-Titel und über 100 Einzelsiege. Bergmanns Engagement begründete zudem den Ruhm vieler späterer Weltklassepiloten wie Niki Lauda und Keke Rosberg. Der Niki, so Bergmann, fuhr bei uns zunächst den Teamtransporter, sein außergewöhnliches Talent wurde aber nach den ersten Testfahrten in einem meiner Monoposti sofort offensichtlich. Sein Lieblingspilot aber war der Österreicher Erich Breinsberg, „der Pflegeleichteste“, so Bergmann. Helmut Marko hielt er zwar für den Schnellsten, aber auch für den Schwierigsten und Günter Huber war für ihn der Fahrer mit der besten Fahrtechnik.
Sein Erfolgsrezept stützt der damalige Opel-Händler auf zwei Tatsachen. Erstens seine außergewöhnlich guten Kontakte zur Industrie. „Ich habe durch meine Kontakte als Händler bei Opel alles nachrechnen lassen können“, bekennt er heute schmunzelnd. Auch Fritz Indra habe ihm stets beratend zur Seite gestanden. Dieser war von 1971 an bis 1979 Entwicklungsleiter bei BMW Alpina, leitete dann bis 1985 die Motorenkonstruktion bei Audi und übernahm anschließend die Leitung der Motorenentwicklung bei Opel.
Bergmanns zweiter Trumpf war, dass er seinen Finanzminister und seine Frau in Personalunion hinter sich wusste. „Johanna hat im Fahrerlager das Geld eingetrieben“, verrät er mit liebevollem Blick auf seine ebenfalls nach Sinsheim angereiste Frau und ergänzt: „Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine noch bessere Frau“.
Erfolg war für Bergmann übrigens unabdingbar. „ Wir mussten gewinnen, um Sponsoren zu bekommen. Wer unterstützt ein Team, welches beispielsweise auf Platz 27 landet?“, bringt es der Master auf den Punkt. Deshalb wolle er auch heute noch ein Zeichen setzten und schrieb für den Sieger der Formel Vau-Meisterschaft 2010 ein Preisgeld in Höhe von 1.000 Euro aus.
Apropos Unterstützung: Volkswagen hat die Formel-Serie mit für damalige Verhältnisse hohen Preisgeldern unterstützt. Der Sieger bekam 5.000 Mark, verriet Helmut Bross, Deutscher Meister der Jahre 1968, 1969, 1970 uns 1972 sowie dritter in der Weltmeisterschaft im Jahr 1971. Und die Transport- und Reisekosten zu den Rennen in Daytona und auf den Bahamas habe der Konzern komplett übernommen. Daraufhin entgegnete Manfred Schurti, Europameister im Werks-Royale 1972 und Weltpokal-Sieger in Daytona: „Du musst nach einer anderen Preisliste gefahren sein!“
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