Sepp Melkus: Ich möchte die Idee meines Großvaters aufleben lassen
Im Schalensitz Nr. 26
Heute verraten immerhin noch die Kunststoff-Karosserie, die Flügeltüren und das Mittelmotor-Konzept die Verwandtschaft zu seinem von 1969 bis 1979 gebauten Vorgänger. Das typische „Räng-täng-täng“ des Dreizylinder-Zweitaktmotors sind natürlich Geschichte. Heute befeuert ein Vierzylinder-Reihenmotor mit Kompressor (Lotus Elise 111R) den 980 Kilogramm leichten Sportler (nur 3,5 Kilogramm pro PS!) – mit über doppelter Literleistung wie damals. Die 270 Kompressor-PS katapultieren den RS 2000 in nur 4,9 Sekunden auf die 100 km/h-Marke und auf der Rennstrecke geht es ordentlich zur Sache, wie die Redaktion „im schalensitz“ auf dem Hockenheimring bei einer Taxifahrt im Rahmen des Pistenclub-Sportfahrer-Trainings erleben durften.
Sepp Melkus, Enkel von Heinz Melkus, und Chris Vogler bieten diese Taxifahrten für potentielle Kunden und Journalisten an, um das Leistungspotential der Flunder zu demonstrieren. Und, wir waren sprachlos: Dass ein Melkus Porsche Turbo jagen und in einigen Streckenpassagen Achtungserfolge bei GT3-Fahrern verbuchen kann, hätten wir so nicht erwartet. Nach den schnellen Hockenheim-Runden schlich so manch ein engagierter Porsche-Treiber voller Unverständnis in der Box um den Melkus herum. Vom 3. bis 4. April gibt es die nächste Möglichkeit, dieses hauptsächlich aus dem Leistungsgewicht resultierende Potential hautnah zu erleben, im belgischen SPA (Buchungen über Alexander Liebenzell, Telefon 0351/3141330).
Das Potential des RS 2000 werden Melkus und Vogler kurz danach auch im Rennbetrieb im Rahmen der Touring Car Challenge (TCC) unter Beweis stellen. Startschuss ist am 10. April auf dem Hockenheimring. Bis dahin soll die Leistung auf 330 PS gebracht und das Gewicht auf unter 900 Kilogramm reduziert werden. Durch eine unglückliche Klasseneinteilung dürfte es der Dresden-Sportler dennoch schwer haben.

Die Familie Melkus hat wirklich Benzin im Blut – bereits in der dritten Generation. Heinz Melkus (20. April 1928 bis 5. September 2005) begründete die Marke Melkus, als Rennfahrer, Rennwagenbauer und Sportwagen-Hersteller. Er galt als der Porsche des Ostens. Wir blicken deshalb nochmals auf sein Lebenswerk zurück.

Heinz Melkus schrieb Rennfahr- und Automobilgeschichte. Fünf Meistertitel und zwei Vizemeistertitel gehen auf sein Konto. Nach Einschätzung des damals berühmten Rennfahrers Paul Greifzu war Heinz Melkus einer der besten Nachwuchsrennfahrer seiner Zeit. Seine Fahrweise wurde damals als ruhig und ausgeglichen beschrieben. Aber er war auch ein genialer Konstrukteur. Bereits 1951 baute er seinen ersten Rennwagen auf VW-Basis.
(Arthur Rosenhammer), verpasste ihm einen zweizylindrigen Flugzeugmotor und trat in der Klasse der Sportwagen bis 1500 ccm an. Im Jahr 1955 konstruierte er einen Formel III Wagen, bevor er von 1959 an Rennwagen für die neu geschaffene Formel Junior-Klasse konstruierte. Sein erstes Fahrzeug dieser Gattung überhaupt, von 1959, existiert leider nicht mehr, dafür eines der drei gebauten Exemplare von 1960.
Sachsenring wie die wenigen verbliebenen Exemplare der Folgejahre. Ende 1960 baute Heinz Melkus nämlich wieder drei neue Rennwagen für die Saison 1961. Die Fahrgestellnummer 612, die der Erbauer selbst fuhr, ist der bekannteste Formel Junior-Rennwagen aus Dresden, da er originalgetreu restauriert wurde und beispielsweise im Jahr 2002 beim „Grand Prix de Monaco Historique“ und im Jahr 2004 beim „Goodwood Revival“ zwischen den berühmten Marken Lotus, Cooper und Lola am Start stand.
An seinem Todestag war das Wetter ebenso dramatisch wie die damalige Rennfahrerzeit. Einmal regnete es wie aus Kübeln, dann schien wieder die Sonne. Ein Wechselspiel aus Freude und Enttäuschung kennzeichnen diese spannenden Jahre des Motorsports in der ehemaligen DDR, wo mit einfachen Mitteln viel erreicht wurde. Und ein beträchtlicher Teil der zahlreichen Entwicklungen für den Motorsport kamen von Heinz Melkus.Diese Ausgabe von im Schalensitz erschien am 29. März 2010
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Diskussionen
Kommentar zum Bild:
In den originalen Melkus RS 1000 würde ich auch gerne mal einsteigen. Ist der nicht teilweise auch auf Bases des Wartburgs gebaut worden?