Thomas König: Vor 60 Jahren wurde in Zuffenhausen der erste Porsche 356 gebaut
Die ersten Exemplare des Porsche Typ 356 entstanden im österreichischen Gmünd im Jahre 1948 – in Handarbeit. Doch schnell zeigte sich, dass das provisorische Werk in Gmünd einer größeren Sportwagenproduktion nicht gewachsen war.
Zurück nach Stuttgart
Aus diesem Grund entschied sich Porsche, wieder nach Stuttgart zurückzukehren. Das ehemalige Porsche-Werk in Zuffenhausen wurde allerdings noch von den Alliierten genutzt, so dass ein Büro sowie eine kleine Versuchswerkstatt in der Stuttgarter Porsche-Villa genügen mussten. Der Vorteil des Stuttgarter Standortes war die räumliche Nähe zu Firmen wie der Stuttgarter Karosseriewerk Reutter & Co. GmbH. Dort mietete Porsche eine Halle an und vergab einen Fertigungsauftrag über 500 Karosserien.
Starke Partnerschaft: Porsche - VW
Die meisten technischen Komponenten stammten weiterhin von VW. Mit dem Generaldirektor von Volkswagen, Heinz Nordhoff, hatte Ferry Porsche zuvor einen Vertrag abgeschlossen. Dieser sicherte Porsche die Lieferung der zum Sportwagenbau benötigten Teile durch das Volkswagenwerk zu. Die Porsche-Sportwagen sollten ferner über das Vertriebsnetz des VW-Werks verkauft und über dessen Service-Organisation gewartet werden. Mit VW-Großhändlern schloss Ferry Porsche zusätzlich eigene Verträge. Die ersten so generierten Bestellungen sicherten den Fertigungsanlauf. Anfang April 1950 verließ dann der erste Wagen die von Reutter gemietete Halle.
Das älteste Porsche 356 Coupé
Aus diesem Anlass feiert Porsche noch bis zum 9. Mai 2010 mit einer Sonderausstellung im firmeneigenen Museum die 60 Produktionsjahre in Zuffenhausen. Das weltweit älteste noch existierende Porsche 356 Coupé aus Zuffenhausener Produktion steht allerdings nicht in Stuttgart, sondern im PROTOTYP-Museum in Hamburg.
Die bis Spätsommer 1950 gebauten Porsche-Sportwagen können noch als Prototypen angesehen werden, die sich durch individuelle Details von den späteren Porsche 356 unterscheiden. Dieser Porsche unterscheidet sich augenfällig durch seinen Lufteinlass an der Front, wie er auch bei den Sportmodellen 356 SL zu sehen ist. Dieser Lufteinlass dient zur Belüftung des Kofferraums, der sich zusammen mit dem Tank unter der Fronthaube befindet. Benzingase sollten sich somit leichter verflüchtigen. Die Porsche-Lettern sind noch einzeln auf der Haube angebracht und nicht, wie später üblich, als ganzer Schriftzug. Auch von der Produktion in Gmünd übriggebliebene Teile wurden bei den ersten in Zuffenhausen produzierten Wagen verwendet. So stammt beispielsweise der Griff auf der Fronthaube noch von diesen in Österreich gebauten Fahrzeugen.
Porsche sind die teilgeprägten Radkappen, die individuelle Veloursverkleidung des Innenraums sowie die Kennzeichenbeleuchtung am Heck, bei der es sich um ein Vorserienteil handelt.Als der amerikanischen Schriftsteller später wieder in die USA zurückkehrte, wollte er auf seinen geliebten Porsche wohl nicht verzichten. Und so nahm er ihn einfach mit. Erst 50 Jahre später sollte der Wagen seinen Weg zurück nach Deutschland finden und gehört seit Eröffnung des AUTOMUSEUM PROTOTYP zu den Sportwagen der Dauerausstellung.
Diese Ausgabe von im Schalensitz erschien am 7. April 2010
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